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Mathe Grundlagen festigen in Klasse 1-2: Warum dein Kind kein Matheproblem hat

  • Beitrag zuletzt geändert am:1. März 2026
  • Beitrags-Kategorie:Mathe
  • Beitrags-Kommentare:2 Kommentare
  • Lesedauer:17 Min. Lesezeit

📌 Infobox: Woran erkenne ich fehlende Mathe-Grundlagen in Klasse 1–2?

Auf fehlende oder lückenhafte Mathe-Grundlagen weisen häufig folgende Anzeichen hin:

  • Zahlenraum 20 ist noch unsicher
  • Rechnen erfolgt ausschließlich mit Fingern
  • Rechenwege können nicht erklärt werden
  • Zehnerübergang klappt nicht
  • Rechnen gleicht eher einem Glücksspiel

Ein stabiles Fundament in Klasse 1–2 bedeutet dagegen: Zahlen verstehen, Beziehungen erkennen und Rechenstrategien sicher anwenden können.

„Mein Kind kann Mathe einfach nicht.“

Diesen Satz höre ich immer wieder. Und fast jedes Mal stimmt er in dieser Form nicht. Die meisten Kinder haben kein Matheproblem – ihre Mathe-Grundlagen sind einfach nicht gefestigt. Und das ist ein riesiger Unterschied. Denn ein instabiles Fundament bedeutet nicht, dass dein Kind „zu doof“ ist. Es bedeutet nur: Etwas Entscheidendes wurde noch nicht wirklich verstanden. Und genau das kannst du ändern.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die Mathe-Grundlagen deines Kindes erkennst und die Mathe-Grundlagen gezielt festigst – damit Lernen wieder sicher und entspannt wird.

Diese Mathe-Grundlagen sollten bei deinem Kind nach der 2. Klasse gefestigt sein (Checkliste)

Der Matheunterricht in Klasse 1 und Klasse 2 wird ganz schnell abgestempelt als „Da geht es doch nur um das Rechnen mit Plus und Minus.“

Nein, bei weitem nicht! Die Grundrechenarten (ab Klasse 3 kommen ja noch Mal und Geteilt hinzu) sind am Ende die Belohnung von ganz viel Grundwissen, welches zunächst verstanden und aufgebaut sein muss.

Dabei denke ich insbesondere an:

  • Zählen bis 20 und später bis 100
  • Mengen sicher erfassen
  • Zahlen als Repräsentanten von Mengen erkennen
  • Zahlbeziehungen untereinander verstehen
  • Stellenwertsystem verstehen
  • Dezimalsystem sicher anwenden
  • Zerlegen von Zahlen

Wenn diese Basis fehlt, dann wird jedes neue Thema zu einer Pokerpartie. Und eigentlich möchtest du doch, dass dein Kind sicher und gefestigt an ein neues Thema herangehen kann, oder?

Ich nehme immer gerne den Vergleich zum Hausbau. Würdest du die 1. und 2. Etage erbauen lassen, wenn das Fundament krumm und schief gesetzt ist?

 

Checkliste: Diese Mathe-Grundlagen sollten bei deinem Kind nach der 2. Klasse gefestigt sein:

Basisgrundlagen:

  • Mein Kind kann bis 20 (Klasse 1) oder bis 100 (Klasse 2) zählen.
  • Es versteht, dass Zahlen Mengen repräsentieren (wenn also 5 Gummibärchen als Menge auf dem Tisch liegen, steht die 5 stellvertretend für die Menge)
  • Es kann Mengen bis 20 sicher erfassen (also abzählen)
  • Es kann Zahlen auf dem Zahlenstrahl sicher einordnen
  • Es kann Zahlen in Beziehung zueinander setzen (5 ist größer als 3)
  • Es kennt den Vorgänger und den Nachfolger einer Zahl (die 4 hat die 5 als Nachfolger und die 3 als Vorgänger)
  • Es kann Zahlen zerlegen (z. B. 8 = 5 + 3)
  • Es kennt die Funktion der Ziffer
  • Es versteht das Stellenwertsystem (Hunderter, Zehner und Einer)
  • Es versteht das Dezimalsystem (10 Einer ergeben 1 Zehner)

Fortgeschrittene Grundlagen:

  • Dein Kind versteht die Bedeutung von Plus (+), Minus (-) und Gleich (=)
  • Es kann Plus- und Minusaufgaben sicher mit Zehnerübergang lösen
  • Es kann Rechenwege erklären

Warum der Zahlenraum 20 in Klasse 1 und 2 so entscheidend ist

Der Zahlenraum 20 ist in der 1. und 2. Klasse das Herzstück des Matheunterrichts – auch wenn in der 2. Klasse auf den 100er Zahlenraum erweitert wird. Du kannst den Zahlenraum 20 als Trainingsfeld ansehen, in welchem dein Kind das Handwerkszeug für das spätere Rechnen sowie schließlich die Strategien fürs Plus- und Minusrechnen einschließlich Zehnerübergang übt. Wenn es sich hier sicher bewegt, dann fällt es deinem Kind viel leichter, sein Wissen auch auf die höheren Zahlenräume zu übertragen.

Sollte dein Kind im Zahlenraum 20 jedoch noch unsicher sein, es ausschließlich die Aufgaben mit den Fingern rechnen oder sollte das Rechnen von Aufgaben eher einem Glücksspiel gleichen, dann macht für euch noch keinen Sinn, in den nächsten Zahlenraum zu wechseln. Stattdessen müssen hier erst die Grundlagen gefestigt werden, bevor ihr einen Schritt weitergehen könnt.

Insofern habe nicht das Ziel, dass dein Kind die Rechenaufgaben im Zahlenraum bis 20 sofort auswendig lernt. Gib ihm diese Trainingschance der Grundlagen.

Mathe ist Verstehen, nicht Auswendiglernen.

An diesen 7,5 Anzeichen erkennst du, dass die Mathe-Grundlagen aus Klasse 1-2 bei deinem Kind noch nicht gefestigt sind

Erkennst dein Kind wieder?

  1. Selbst bei einfachen Aufgaben zählt dein Kind das Ergebnise noch mit den Fingern ab.
  2. Das Lösen von Aufgaben im Zahlenraum 20 dauert ewig – auch wenn kein Zehnerübergang gefordert ist.
  3. Dein Kind schaut ratlos und entmutig aus.
  4. Es verwechselt die Rechenzeichen.
  5. Es kann Ergebnisse nennen, aber nicht erklären, wie es darauf kam.
  6. Malaufgaben klappen super, bei Plus und Minus geht es aber wie Kraut und Rüben durcheinander.
  7. Textaufgaben sind ein k.o.-Kriterium.
  8. Es ist kein sichtbares Kriterium, aber gibt ebenfalls einen guten Indikator: Du hast einfach das Gefühl, dass da etwas im Busch ist.

All diese Punkte sagen nichts darüber aus, dass dein Kind nicht intelligent genug für Mathe ist.

Sie liefern aber wertvolle Hinweise darauf, dass die Grundlagen noch nicht gefestigt sein könnten, und damit alle Themen, die darauf aufbauen, zu scheitern drohen.

Warum mehr Üben nicht hilft, wenn die Mathe-Grundlagen fehlen

Wenn Mathe nicht klappt, dann reagieren viele Eltern verständlicherweise so:

„Wir müssen unbedingt mehr zu Hause üben.“

Jetzt die Frage: Wenn du dein Haus baust und siehst, dass die 1. Etage immer wieder einstürzt, würdest du dann auch immer wieder versuchen, die 1. Etage neu aufzubauen?

Wenn du sicher bist, dass es ausschließlich an der Bauweise der 1. Etage liegt (aus welchen Gründen sie auch immer wieder zu einem Defekt führt), dann solltest du auch hier ansetzen. Dazu musst du dich allerdings einmal kurz mit dem Fundament beschäftigt haben, ob hier alles passt!

Falls hier nicht alles ok ist, dann könnte das ganz schön viel Frust bedeuten und verdammt teuer werden, wenn du dich nur auf die 1. Etage konzentrierst und nicht für ein solides Fundament sorgst.

Lass uns jetzt den Schwenk zu eurem Mathe-Problem machen

Falls du mit deinem Kind immer nur beim aktuellen Thema bleibst und mit ihm somit auf der 1. Etage übst, dringt ihr nie an die Stelle vor, an der dein Kind den Anschluss an den Mathestoff verloren hat.

Ich möchte dir zur Verdeutlichung ein ganz typisches Beispiel aus meiner Praxis geben.

Zu Hause wird intensiv das Kopfrechnen geübt und die Mama ist irritiert, dass ihr Kind die Minusaufgaben häufig falsch löst, obwohl Plus ganz gut klappt. Der Gedanke liegt natürlich nahe, nun verstärkt Minusaufgaben zu üben, wie z.B.

42 – 13 = 31.

Ich denke, wir sind uns einig darin, dass das nicht passt. Vom Grunde her ist das aber eine ganz pfiffige Lösung und es wurde hier auch schon sehr viel richtig gemacht. Was ist aber schief gelaufen?

Der Gedankengang ist hierbei häufig wie folgt:

4 – 1 = 3

➡️ Die Basisaufgaben sind in der Regel auswendig abrufbar, insofern kommt das Kind mit der Minusaufgabe gut klar

2 – 3 = ?

➡️ „Ah, ich kenne 3 – 2 = 1, also ist das Ergebnis ebenfalls 1.“

Berücksichtigt wird hierbei nicht die Bedeutung von Minus. Minus heißt, eine Teilmenge von einer gegebenen Menge wegzunehmen. Laut Aufgabenstellung sind 2 Einer gegeben, 3 sollen weggenommen werden.

Im Kopf werden nun aber vom Kind die Positionen von 2 und 3 vertauscht. Dadurch entsteht eine ganz andere Handlung, da nun 2 von 3 weggenommen werden.

Das Kind erkennt vermutlich unbewusst, dass man 3 Stück von einer 2er Menge nicht wegnehmen kann. Insofern ist das auf jeden Fall schon eine wichtige Erkenntnis. Es fehlt hier aber der Schritt dann hin zum Zehnerübergang. Stattdessen erfolgt der Positionswechsel an der Einerstelle.

Bleibt die Mama nun in Bezug auf dieses Beispiel dabei, weiter Minusaufgaben zu üben, wird sie nicht zu der grundlegenden Bedeutung des Minus-Operators vorstoßen. Ihr Kind hat damit keine Chance zu verstehen, warum das Vertauschen der Zahlen falsch ist. Sie kann ihm zwar direkt vorgeben, dass immer die zweite Einerzahl von der ersten Einerzahl abgezogen werden muss, aber das hat langfristig keinen Erfolg. Spätestens in der nächsten Arbeit oder bei einer Textaufgabe wird ihr Kind die Vorgabe nicht abrufbar haben, denn in seinem Kopf werden dann 1000 andere konkurrierende Gedanken herumschwirren.

Für unser menschliches Gehirn ist eine solche starre Vorgabe einfach zu abstrakt. Es braucht stattdessen einen Anker, um dieses Wissen zuverlässig abrufen zu können. Und der Anker ist das Verstehen.

Und dieses Verständnis erwirbt dein Kind nur, wenn ihr direkt an den lückenhaften Themen arbeitet.

Wann ist eine Lernstandsanalyse sinnvoll?

Eine Lernstandsanalyse macht dann Sinn, wenn:

  • Du nicht weißt, wie du konkret vorgehen kannst, etwaige Lücken im Basiswissen zu identifizieren.
  • Du keine Zeit hast, dich hier tiefer in die Materie einzuarbeiten.
  • Du die Beziehung zu deinem Kind durch so eine Testung nicht weiter belasten möchtest.

Natürlich hast du aber auch selbst die Möglichkeit, dir hier eine gute Übersicht über alles zu verschaffen. Es gibt auch einige Verlage, die entsprechendes Material für die Diagnostik anbieten.

Egal, welchen Weg du wählst: Die Hauptsache ist, du wählst einen, wenn ihr beim Üben zu Hause nicht vorankommt oder du das Gefühl hast, dass da noch Unverständnis in der Tiefe schlummern könnte.

Denn ein starkes Fundament in Klasse 1–4 entscheidet darüber, wie entspannt das Mathelernen in den nächsten Jahren wird.

💡 Ein stabiles Fundament bringt Klarheit

In einer gezielten Lernstandsanalyse schauen wir gemeinsam, welche Mathe-Grundlagen dein Kind wirklich verstanden hat – und wo ihr sinnvoll beim Lernen zu Hause ansetzen könnt.

Du bist dir unsicher, wo ihr am besten ansetzen solltet?

Was dein Kind jetzt wirklich braucht

Bloß keine weiteren Übungsaufgaben!

Sondern eine Analyse des Problems: Woran liegt es, dass das Rechnen einfach nicht klappen will.

Und dabei darfst du gerne mit folgenden Leitsätzen arbeiten:

Erst Verständnis, dann Tempo!

Leg die Stoppuhr beiseite. Die Geschwindigkeit kommt ganz von alleine, wenn erst einmal das Verständnis aufgebaut ist. Alleiniger Fokus sollte daher zunächst nur auf das Verstehen gelegt werden. Wenn dir dann dein Kind ohne Zögern fehlerfrei erklären kann, wie es 8 + 5 = 13 rechnet, könnt ihr an der Schnelligkeit feilen.

Hab den Mut zurückzugehen, um vorwärts zu kommen

Ich habe mal eine Erstdiagnostik mit einem Schüler in der 10. Klasse durchgeführt, der offensichtlich Schwierigkeiten beim Rechnen im Zahlenraum 100 zeigte. Es stellte sich alsbald heraus, dass er die wesentlichen Grundlagen, wie Stellenwertsystem und Dezimalsystem, nicht verstanden hatte. Damit erklärten sich schnell seine Rechenprobleme.

Im Auswertungsgespräch mit der Mama berichtete ich davon, wo aus meiner als allererstes angesetzt werden musste. Die Mama war im ersten Moment geschockt und wies mich daraufhin: „Aber das ist doch Stoff der ersten und zweiten Klasse!“ Da hatte sie recht.

Wie sich aber nach ein paar Wochen zeigte, hatte ich auch recht, denn mein Schüler fing an, die hinter dem Rechnen stehende Logik zu begreifen.

Was will ich damit sagen: Manchmal lohnt es sich, ein paar Schritte zurückzugehen, um dann für den Sprung nach vorne vorbereitet zu sein.

Mathe ist Begreifen – und nicht fleißiges Auswendiglernen.

Tückisch ist vor allem der Zahlenraum 20, der sich geradezu dafür anbietet, die Rechenaufgaben „schnell mal“ auswendig zu lernen.

Ich erinnere mich da an einige Gesichter aus meiner Praxis. Die Kinder waren top im Plus- und Minusrechnen im Zahlenraum 20 – auch mit Zehnerübergang. Die Eltern konnten sich daher nicht erklären, warum das Rechnen über die 20 hinaus auf einmal fehlschlug. Die Antwort lag schnell auf der Hand. Die Aufgaben waren unbemerkt auswendig gelernt worden.

Daher lass dir die Rechenwege und die dahinterstehenden Regeln immer erklären, denn wer erklärt, der versteht. Und wenn du das bei deinem Kind erkennst, dann seid ihr am Ziel und habt eine tolle Arbeit geleistet.

Lass dich nicht hetzen

Ich weiß, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Das Gleiche gilt für ein sicheres Mathefundament.

Und während du mit deinem Kind noch an den Basics arbeitest, geht der reguläre Schulstoff unbarmherzig weiter und es kommen weitere neue Themen hinzu.

Bitte an dieser Stelle ruhig bleiben und das möglichst ausblenden. Es bringt nichts, wenn du mit deinem Kind anfängst, durch die Grundlagen zu huschen, um schnell wieder Anschluss zu bekommen, denn dann könnt ihr das Üben auch gleich sein lassen. Denke an das Fundament, das zunächst sicher und stabil sein muss – und nicht wackelig und bröselig. Und dein Kind braucht seine Zeit dafür.

Ich verstehe aber, dass dich das umtreibt. Von daher verrate ich dir jetzt etwas: Der Matheunterricht – nicht nur an der Grundschule, sondern auch an den weiterführenden Schulen – ist modular mit wechselnden Modulen aufgebaut.

Mal kommt eine Einheit zum Rechnen, und danach z.B. eine zur Geometrie. Das heißt, dass nicht immer das gleiche (Vor-)Wissen gefragt ist. Von daher kann es gut sein, dass dein Kind große Probleme beim aktuellen Mathethema hat, das folgende aber gar nicht so sehr das Vorwissen benötigt, an dem ihr gerade dran seid. Insofern kann dein Kind dann gleichzeitig sowohl an seinem Fundament arbeiten wie auch dem Unterrichtsstoff folgen.

Mit 3 Strategien Mathe-Grundlagen nachhaltig festigen

Schritt 1: Finde heraus, ob das Mathe-Fundament gefestigt ist und wo es ggf. bröckelt

Nicht das Ergebnis zählt, sondern der Weg dahin. Daher lass dir unbedingt erklären, wie dein Kind auf das Ergebnis gekommen ist.

Und erlaube dir auch nachzufragen, wenn du etwas in den Erläuterungen nicht verstanden hast oder sie dir lückenhaft erscheinen.

Denke immer dran:

Dein Kind kann nicht in Worte fassen, was es nicht verstanden hat.

Es gibt viele Testverfahren, über die man leicht herausbekommt, bei welchem Thema die Basis anfängt, instabil zu werden. Aber keine Sorge, du als Mama brauchst diese Tests nicht. Du kannst den Punkt sehr gut auch Schritt für Schritt selbst herausfinden.

Und so gehst du dabei vor:

  • Starte dazu am besten beim Rechnen, also beim aktuellen Stoff. Du und dein Kind, ihr tauscht die Rollen und nun lässt du dir erklären, wie man so eine Rechenaufgabe, wie 36 + 47, löst.
  • An irgendeinem Punkt wird dein Kind in seinen Formulierungen schwammig und unklar werden und zu stocken anfangen. So gemein es auch klingen mag, ist das aber das perfekte Signal, hier tiefer einzusteigen. Gehe also im Thema einen Schritt zurück und fokussiere dich nun in deiner Analyse auf das neu gefundene Thema. Beginne ein Gespräch darüber.
  • Im Rahmen dieses Gesprächs können dann zwei Szenarien entstehen:
    • Du triffst auf eine Unsicherheit und ihr könnt sie an Ort und Stelle lösen. Das ist sehr gut, denn dann brauchst du an dieser Stelle nicht noch tiefer zu schauen.
    • Die auftretende Unsicherheit verweist auf ein tieferliegendes Problem. Dann verlässt du zunächst das alte Thema und gehst auf das neue ein.

Du merkst, ihr geht somit nicht nur in den Themen Schritt für Schritt zurück, sondern unter Umständen auch in der Klassenstufe. Und selbst, wenn ihr bei der 1. Klasse landen solltet, ist es egal. Ihr setzt genau hier mit eurem Üben an.

Und wer weiß, vielleicht setzt gerade dieses Thema eine Perlenkette in Gang. Denn es kann durchaus passieren, dass dein Kind auf einmal auch die darauf aufbauenden Themen versteht.

Und wenn du dich unsicher fühlst, euren Startpunkt fürs Üben auszumachen, dann lasse extern eine Lernstandsanalyse durchführen, die dir im besten Fall nicht nur den Startpunkt zeigt, sondern auch Übungsvorschläge und eine klare Struktur eurer Lerneinheiten aufzeigt.

Schritt 2: Arbeite mit Material – nicht mit nackten Zahlen auf Arbeitsblättern.

Nutze bei der Aufarbeitung des identifizierten Basis-Themas zu Beginn ausschließlich Material (Link). Das könnte klassisches Mathe-Lernmaterial sein oder aber auch Alltagsgegenstände, wie:

  • Legosteine
  • Perlen
  • Nudeln
  • Oder was dir sonst noch einfällt.

Das Material bietet deinem Kind die Chance, Mathe „zu sehen, zu fühlen und anzufassen“: Wie cool ist das denn? Anstatt sich mit einem Arbeitsblatt auseinandersetzen zu müssen, das nur eine Aneinanderreihung von abstrakten und unnahbaren Schriftzeichen (also Zahlen) hat, darf dein Kind jetzt bauen, legen und ausprobieren. Und auch wenn es hier im Grunde genommen um genau die Schriftzeichen geht, die ich als Arbeitsblatt gerade abgelehnt habe, nimmt dein Kind es ganz anders wahr. Es kommt nämlich sofort eine spielerische Komponente mit rein – und die macht Spaß!

Schritt 3: Die Motivation ist dein wichtigster Komplize

Vermutlich wird dein Kind wenig begeistert sein, wenn es erfährt, dass es einen Umweg über die Mathe-Basics nehmen muss, um wieder Anschluss an den aktuellen Schulstoff zu bekommen.

Und damit tritt die Motivation als wichtiger Erfolgsfaktor hinzu. Was kannst du tun, diese zu fördern?

  • Die Arbeit mit Material aus Schritt 2 ist schon einmal Gold wert.
  • Bewahre dir seine Ergebnisse auf, bevor ihr angefangen habt, an den Grundlagen zu arbeiten. Du kannst die Ergebnisse später super dazu nutzen, deinem Kind aufzuzeigen, wo es mal stand und was es in der Zwischenzeit schon alles erreicht hat. Unser Gehirn ist in dieser Hinsicht leider ziemlich vergesslich.
  • Nutze Spiele, wo sie passen – sei es zum Üben, zur Einstimmung auf die Übungseinheit oder auch als Belohnung nach erfolgter Arbeit.
  • Macht feste Zeiten zum Üben aus, an die ihr euch auch starr haltet. Genauso wie das Zähneputzen werden auch diese Übungszeiten irgendwann Teil der täglichen Routine. Und es wird auch nicht über die ausgemachten Zeiten hinaus gelernt – frei nach dem Motto „Ich weiß, die Zeit ist um, aber lass uns noch einmal schnell die drei Aufgaben legen.“

Die Motivation ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei dem Spiel. Denn Sicherheit aufzubauen, bedeutet insbesondere: Wiederholen, wiederholen, wiederholen. Und ohne Motivation wird das verdammt schwer!

FAQ zu Mathe in Klasse 1–2

Nein, dein Kind darf auch in der 2. Klasse noch seine Finger zum Rechnen benutzen. Ich empfehle dir aber zu beobachten, woran das liegen könnte. Gibt das Rechnen mit den Fingern deinem Kind noch Sicherheit? Oder ist es Gewohnheit?

Es kann allerdings auch ein erstes Anzeichen dafür sein, dass dein Kind die Rechenstrategien noch nicht verstanden hat. Dann braucht es hier deine Unterstützung.

Zum Ende der 1. Klasse sollte sich dein Kind recht sicher im Zahlenraum 20 bewegen können. In der 2. Klasse wird der Zahlenraum auf 100 erweitert und die in Klasse 1 erlernten Strategien werden auf den höheren Zahlenraum übertragen. Stolpert dein Kind bei den Strategien noch im Zahlenraum 20, wird es beim Rechnen bis zur 100 noch mehr ins Straucheln geraten.

Rechenschwierigkeiten bereits in Klasse 1 auszumachen, ist schwierig. Die Grundschulmathematik führt dein Kind ab Klasse 1 nach und nach in die abstrakte Welt der Zahlen ein. In der Kindergartenzeit wurde Mathe einfach spielerisch so nebenbei „gemacht“ – ohne viel über Zahlen, Formeln und Strategien nachzudenken. Der Schritt nun Richtung Abstraktion ist für viele Kinder eine Umstellung, die den einen leichter und den anderen schwerer fällt. Von daher sind echte Rechenschwierigkeiten – zumindest in Klasse 1 – teilweise schwerer auszumachen. Aus diesem Grund solltest du mit einer ersten Einschätzung Richtung Ende Klasse 1 warten.

Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmen könnte, würde ich dir empfehlen, auch noch einmal auf die mathematischen Vorkenntnisse vor Einschulung zurückzuschauen. Konnte dein Kind bis 10 zählen? Konnte es schon Mengen abzählen? Wusste es, was kleiner und was größer ist?

Vom Kindergarten wirst du über die Feedbackgespräche evtl. auch eine Rückmeldung erhalten haben, ob bei deinem Kind alles altersgerecht ausgeprägt ist. Wenn aus der Kindergartenzeit natürlich schon Auffälligkeiten bekannt sind, dann solltest du bei Rechenschwierigkeiten auf jeden Fall auch schon in Klasse 1 hellhörig werden.

Nein, Rechenschwierigkeiten bedeuten nicht automatisch eine Dyskalkulie. Die Ursache für Rechenschwierigkeiten kann vielfältig sein. Wichtig ist, dass du dein Kind hier möglichst früh auffängst und es entsprechend unterstützt.

Wenn du unsicher bist, dann setze dich auf jeden Fall als erste Anlaufstelle mit den Lehrern bzgl. deiner Bedenken in Verbindung.

Ein stabiles Fundament verändert alles

Vielleicht hast du dich in einigen Abschnitten wiedergefunden. Vielleicht hattest du beim Lesen diesen einen Moment, in dem du dachtest: „Ja, genauso ist das bei uns.“

Dann geht es jetzt nicht darum, noch mehr zu üben.

Es geht darum, einen Schritt zurückzugehen und die Mathe-Grundlagen zu festigen.

Gerade in Klasse 1–2 werden die Grundlagen für einen erfolgreichen Matheweg gelegt. Wenn ihr euch jetzt die Zeit nehmt, diese wirklich zu festigen, legst du damit die Basis für alles, was danach kommt.

Und wenn du dir unsicher bist, wo genau die Lücke beginnt oder wie ihr strukturiert vorgehen könnt, dann kann euch eine professionelle Lernstandsanalyse Klarheit geben.

Denn dein Kind kann Mathe – es braucht nur gesicherte Grundlagen.

💡 Üben startet bei den Lücken in den Grundlagen

Du möchtest wissen, ob und welche Lücken bei deinem Kind in den Mathe-Grundlagen bestehen?

Dann lass uns gemeinsam hinschauen. In einer individuellen Lernstandsanalyse klären wir, wo ihr starten dürft – ruhig, strukturiert und ohne Druck.


Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Angela

    Vielen Dank für deinen Einsatz für dieses wunderbare und wichtige Fach und für die Kinder, die an sich zweifeln. Es wird allgemein sehr unterschätzt, wie wichtig die Basis ist, die in den ersten Schuljahren gelegt wird. In der Nachhilfe erlebe ich auch oft, dass meine Schüler:innen glauben, Mathe nicht zu können. Bis wir den richtigen Zugang gefunden haben.
    Liebe Grüße
    Angela

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