📌 Kurz und Knackig
Warum ist anschauliches Mathe Material in der Grundschule wichtig? Weil sicheres Rechnen in Klasse 1/2 auf Verständnis basiert. Ohne innere Zahlenbilder bleiben Plus und Minus oft reines Zählen oder Rätselraten.
Wie hilft es? Dein Kind sieht, fühlt und probiert aus: Mengen, Zerlegungen und Zehnerstruktur werden sichtbar und erfahrbar.
Die gute Nachricht: Du brauchst kein Spezial-Equipment. Mit wenigen, passenden Alltags- oder Schulmaterialien kannst du das Rechnenlernen wirksam unterstützen.
In diesem Artikel lernst du: Welche Materialien wirklich sinnvoll sind, wie du das passende auswählst, typische Fehler vermeidest und woran du erkennst, dass dein Kind das Material schließlich nicht mehr benötigt.
15:42 Uhr – es ist Hausaufgabenzeit. Und für Mathe gibt es wieder ein Arbeitsblatt mit lauter Rechenaufgaben.
8 + 5 … 6 + 3 …. 13 – 9… Dein Kind stockt und zögert. Es schaut auf seine Finger und fängt leise an abzuzählen: „Neun – Zehn – Elf …“
Dir kommen Zweifel. Du möchtest ihm wirklich helfen, fragst dich aber gleichzeitig, wie du deinem Kind das Rechnen erklären kannst.
Eines ist dir auf jeden Fall klar: Die nackten Rechenaufgaben auf dem Übungsblatt erzeugen Frustration und Demotivation, aber fördern definitiv kein Matheverständnis.
Gerade in der Grundschule ist es aber wichtig, Mathe anschaulich zu lernen. Kinder verstehen Zahlen und Rechenstrategien viel besser, wenn sie mit konkreten Gegenständen arbeiten sowie Mengen sehen, fühlen und ausprobieren können.
Aus diesem Grund zeige ich dir in diesem Artikel meine Lieblingsmaterialien, die wirklich dabei helfen, ein tieferes Verständnis für die Grundlagen in Mathe zu erhalten.
Was bedeutet „Mathe anschaulich lernen“ eigentlich genau?
Beim anschaulichen Mathelernen geht es grundsätzlich darum, mit Materialien oder Gegenständen Zahlen, Mengen und auch Rechenstrategien sichtbar und nachvollziehbar zu machen.
Warum Kinder Mathe anschaulich lernen müssen – und Übungsblätter alleine nicht reichen
Die Grundschulmathematik ist so viel mehr, als nur mit Plus, Minus, Mal und Geteilt zu rechnen. Vor allem in den ersten 2 Schuljahren werden die absoluten Grundlagen vermittelt, die dein Kind braucht, um später erfolgreich die Rechenstrategien und alles, was darauf aufbaut, zu verstehen. Dein Kind lernt u.a. …
- Mengen kennen („Das ist eine 3 und das ist eine 5.“)
- Beziehungen von Mengen zu verstehen („Die 3 ist kleiner als die 5.“)
- Die Bedeutung unseres Dezimalsystems („10 Einer ergeben einen Zehner.“)
- Zahlen zu zerlegen („Die 8 besteht aus der 3 und der 5.“)
Für dich und für mich sind das absolute Selbstverständlichkeiten und wir müssen hier nicht weiter nachdenken.
Für dein Kind aber ist das eine ganz neue Welt, die – nur mit Übungsaufgaben erlernt – schnell recht abstrakt werden kann.
Dabei ist Mathe aber überhaupt nicht abstrakt. Du musst nur die richtige Übersetzung finden, damit dein Kind Mathe anschaulich lernen kann.
Denn wenn dein Kind bei 8 + 7 strauchelt, dann braucht es das Verständnis, was hier in mathematischen Hieroglyphen aufgeschrieben eigentlich von ihm genau verlangt wird.
Welches Mathe-Material für die Grundschule ist wirklich sinnvoll?
Es gibt nicht das eine perfekte Mathe-Lernmaterial. Insofern schaue dich gerne etwas auf dem Markt um.
Trotzdem möchte ich dir drei Aspekte für die Auswahl mitgeben.
- Das Material sollte gefallen. Wenn dein Kind schon von vornherein die Lernhilfe ablehnt, dann wird es damit auch nicht gerne und freiwillig arbeiten.
- Das Material sollte nicht ablenken. Mathematik anschaulich zu erleben, ist spannend und weckt die Neugierde. Dennoch braucht es auch Konzentration auf das, was gerade Thema ist. Wenn das Material selbst nun für ganz viel Aufmerksamkeit sorgt, weil es zum Beispiel blinkt, glitzert oder Soundeffekte hat, dann ist zu viel Ablenkung dabei und das Material somit ungeeignet. Zugegebenermaßen bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich so ein blinkendes und glitzerndes Material gibt, aber ich bin mir darin sicher, dass du ganz genau weißt, welches Material bei deinem Kind die Konzentration „klauen“ würde.
- Es lohnt sich eventuell, auch mal in der Schule nachzufragen, ob – und falls ja – mit welchem Material im Matheunterricht gearbeitet wird. Das hat den riesigen Vorteil, dass sich dein Kind bereits mit dem Material auskennt und nicht zwischen zwei Materialien hin und her springen muss.
Materialvorstellung – klassisch bis ungewöhnlich
Wendeplättchen
Was ist das?
- Plättchen mit unterschiedlich eingefärbten Seiten (in der Regel rot / blau)

Was zeichnet das Material aus?
- Durch die unterschiedlich farbigen Seiten bieten sich gute Strukturierungsmöglichkeiten, wie z.B. bei der Darstellung der Zahlzerlegung.
Welche Anwendungsmöglichkeiten empfehlen sich?
- „Kraft der 5“ (Hintergrund: Die Zahlen von 5 bis 10 lassen sich durch eine 5 und Rest darstellen.)
- Zahlen zerlegen („Die 8 lässt sich in 3 und 5 zerlegen.“)
- Darstellung der verliebten Zahlen (also der Zahlzerlegung der 10)
- Rechnen mit Material (Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum 10 bzw. 20 legen)
- Rechnen mit Zehnerübergang im Zahlenraum 20
☄️ Tipp von mir:
In Kombination mit einem Zehnerfeld (wie auf dem Foto dargestellt) kann mit den Wendeplättchen sehr schön die Struktur der 10 darstellt werden, die grundlegende Voraussetzung für den später folgenden Zehnerübergang beim Rechnen sein wird.
Das Foto zeigt als Zehnerfeld ein 5×2-Raster, in welchem bereits 7 Wendeplättchen liegen (Die Farbe hat an dieser Stelle keine Bedeutung). Man erkennt sofort auf einem Blick, dass nur noch 3 Plättchen aufzufüllen sind, bis die 10 erreicht ist.
Rechenstäbchen
Was ist das?
- Unterschiedlich lange farbige Stangen, die mit denen sich die Zahlen 1 bis 10 darstellen lassen.
- Ähnlich zu den Cuisenaire-Stäbchen

Was zeichnet das Material aus?
- Die Stäbchen sind von ihren Maßen aufeinander abgestimmt. In ein 4er-Stäbchen passen beispielsweise genau zwei 2er-Stäbchen.
Welche Anwendungsmöglichkeiten empfehlen sich?
- Beziehungen von Zahlen („Die 5 ist größer als die 3.“)
- „Kraft der 5“ (Hintergrund: Die Zahlen von 5 bis 10 lassen sich durch eine 5 und Rest darstellen.)
- Zahlen zerlegen („Die 8 lässt sich in 3 und 5 zerlegen.“)
- Darstellung der verliebten Zahlen (also der Zahlzerlegung der 10)
- Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum 10
☄️ Tipp von mir:
Die Stäbchen sind insbesondere für Kinder toll, die gerne mit bunten Materialien arbeiten.
Dienes-Material
Was ist das?
- Vorgefertigte Elemente, mit denen unser Stellenwert-/Dezimalsystem nachgebildet wird.
- Einer: Würfel
- Zehner: Stange bestehend aus 10 Einer-Würfeln
- Hunderter: Platte (10×10) bestehend aus 10 aneinander gereihten Zehner-Stangen
- Tausender: Quader (10x10x10) bestehend aus 10 aufeinander gestapelten Hunderter-Platten
- Das Dienes-Material gibt es in unterschiedlichen Farben (bunt und einfarbig) sowie Materialen (Holz und Kunststoff). Ich mag das Holzmaterial, da ich es zum Anfassen als sehr angenehm empfinde, aber da hat jeder seinen eigenen Geschmack. Im Umgang mit dem Material macht es keinen Unterschied.

Was zeichnet das Material aus?
- Die Elemente sind von ihren Maßen exakt aufeinander abgestimmt. Eine Zehnerstange ist dabei genauso lang, wie eine Reihe von 10 aneinander gelegten Einer-Würfeln. Das Gleiche gilt auch für die Hunderter-Platten und Tausender-Quader.
- Ganz toll finde ich an dem Mathe Material, dass die kleinen Würfel andeutungsweise in die Stangen, in die Platten und in die großen Würfel eingefräst sind, so dass man mit einem Blick den Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Stellenwerten erhält.
Welche Anwendungsmöglichkeiten empfehlen sich?
- Beziehungen von Zahlen („Die 5 ist größer als die 3.“)
- Stellenwertsystem verstehen („Unsere Zahlen bestehen Tausender, Hunderter, Zehner und Einer.“)
- Dezimalsystem verstehen („Ein Zehner besteht aus 10 Einern.“)
- Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum 10 bis hoch in den Zahlenraum 10.000 legen
Ganz ehrlich, wenn du ein Mathe Material für die Grundschule suchst, das dein Kind beim Rechnen lernen unterstützt, dann wäre das Dienes-Material meine erste Empfehlung an dich.
☄️ Tipp von mir:
Das Dienes-Material lässt sich später ab Klasse 3 auch prima zur Visualisierung des Mal- und Geteilt-Rechnens nutzen.
Steckwürfel
Was ist das?
- Einfache Steckbauelemente, die es in verschiedenen Farben gibt
- In der Schule werden häufig die Farben Rot und Blau verwendet.

Was zeichnet das Material aus?
- Steckwürfel üben insbesondere auf Kinder einen ganz besonderen Reiz aus, die sonst auch gerne bauen und konstruieren. Es können die tollsten Phantasiegebilde entstehen.
Welche Anwendungsmöglichkeiten empfehlen sich?
- Beziehungen von Zahlen („Die 5 ist größer als die 3.“)
- „Kraft der 5“ (Die Zahlen von 5 bis 10 lassen sich durch eine 5 und Rest darstellen.)
- Dezimalsystem verstehen („Ein Zehner besteht aus 10 Einern.“)
- Zahlen zerlegen („Die 8 lässt sich in 3 und 5 zerlegen.“)
- Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum 10 und im Zahlenraum 20 legen
- Rechnen mit Zehnerübergang im Zahlenraum 20
☄️ Tipp von mir:
Nutze unbedingt zwei Farben. Hierdurch ergeben sich tolle Möglichkeiten, die Mengen strukturierter darzustellen.
Muggelsteine
Tatsächlich bedarf es nicht unbedingt eines besonderen Mathe-Lernmaterials, um Mathe anschaulich zu lernen. Der Haushalt bietet ebenfalls so viele Material-„Schätze“, so dass du dich definitiv einmal bei euch umschauen solltest.
Und Alltagsmaterialen haben noch einen unschlagbaren Vorteil. Sie sind eben keine klassischen Mathe Materialien, die dein Kind schon aus der Schule oder den Mathebüchern kennt und die damit eventuell negativ behaftet sein können.
Kennst du die kleinen Glasnuggets, die es häufig als Deko-Material für Vasen, Schalen etc. zu kaufen gibt? Diese Glasnuggets werden oft auch als Muggelsteine bezeichnet.

Ich mag diese Steine einfach. Sie liegen sehr angenehm in der Hand und machen kleine „klack“-Geräusche, wenn sie aneinander stoßen.
Kinder lieben sie. Und ich – ehrlich gesagt – auch. Sie sind so universell einsetzbar und dabei ist es egal, ob es ums Lesen, Schreiben oder Rechnen geht.
Es gibt die Steine in den unterschiedlichsten Farben. Empfehlen würde ich, mindestens zwei Farben zu besitzen. Dann kannst du die Steine analog zu den Wendeplättchen verwenden. Und wenn es dich nicht stört, dass man diese nicht zusammenbauen kann, sind sie auch eine prima Alternative zu den Steckwürfeln. Anstatt eine Zehnerstange zusammenzubauen, rückst du 10 Steinchen einfach näher zusammen.
Sonstige Alltagsmaterialien
Du hast keine Muggelsteinchen zu Hause? Kein Problem, hier kommen weitere Anregungen für dich:
- Aus der Küche – Nudeln, getrocknete Bohnen oder getrocknete Kichererbsen
- Aus der Wäschekammer – Wäscheklammern
- Aus der Natur – Kastanien, Muscheln oder Steine
- Aus dem Kinderzimmer – Spielfiguren oder Legosteine
Fällt dir vielleicht noch etwas anderes ein? Ich bin gespannt.
Welches Mathe-Material ist für die Grundschule am besten?
Wenn du mich jetzt fragen würdest, welche ein oder zwei Mathe-Materialien die besten sind, um die Mathethemen der gesamten Grundschulzeit abzudecken, dann würde ich dir folgende zwei Hilfsmittel empfehlen:
- Muggelsteinchen: Universell einsetzbar. Toll, um Mengen, die ersten Plus- und Minusaufgaben sowie später auch Mal und Geteilt zu visualisieren.
- Dienes-Material: Deckt aus meiner Sicht sehr gut das Dezimal- und Stellenwertsystem ab. Ist für mich zudem unverzichtbar, wenn es um das Rechnen im Zahlenraum 100 mit Zehnerübergang geht.
Mit diesen Tipps wird das Arbeiten mit Material zum echten Gamechanger
Bei der Arbeit mit Material gibt es ein paar Punkte, die ich dir mit auf den Weg geben möchte, damit eure Übungseinheiten noch erfolgreicher werden.
- Wechsel das Material nicht zu schnell. Wie eine Jeans braucht es eine Zeit, bis es „eingetragen“ ist. Gebt dem Material ein paar Übungseinheiten Zeit, sich zu bewähren. Wenn es dann nicht passt, dann schaut euch Alternativen an.
- Nutze nicht zu viele Materialien auf einmal. Das Angebot auf dem Markt ist wirklich bunt und vielfältig. So unterschiedlich Lernmaterialien auch sein mögen, sie haben alle eine Sache gemeinsam. Du musst dich zu Beginn erst einmal in sie hineindenken und den Umgang mit diesen erlernen. Das kostet viel Zeit und auch Kraft, die euch beiden dann beim eigentlich Mathelernen fehlen.
- Lass das Material nicht zu früh weg. Klar, irgendwann muss es weg. Dieser Zeitpunkt sollte allerdings wohl überlegt sein. Zu schnelles Weglassen kann wieder zu Unsicherheiten bei deinem Kind führen, wenn das Thema noch nicht gefestigt war.
„Tschüss“ Material – so erkennst du, dass dein Kind bereit dazu ist
Jetzt fragst du dich sicher: „Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir das Material weglassen können.“ Eine sehr, sehr wichtige Frage, denn dein Kind soll ja mittel- bis langfristig ohne Material auskommen.
Woran erkennst du es also? Die Antwort ist ganz einfach. Du kannst es an den Punkten ausmachen, die dir aufgefallen sind, als du dich für den Einsatz von Material entschieden hast. Dein Kind ist soweit, wenn:
- Es dir erklären kann, warum es welchen Schritt macht.
- Es keine Finger mehr zum Rechnen benötigt.
- Die Aufgaben flüssiger gehen und dein Kind sogar mal den Einsatz des Materials „vergessen“ hat.
- Die Frage kommt: „Muss ich das noch mit Material vorrechnen?“
- Dein Kind motivierter vor den Mathehausaufgaben sitzt.
☄️ Mein Geheimtipp an dich:
Reduziere das Material schrittweise, anstatt es sofort vollständig wegzunehmen. So kannst du dich optimal auf die Bedürfnisse und das Tempo deines Kindes einstellen.
Lass Mathe in der 1. und 2. Klasse mit Material zum Spiel werden
Ich persönliche liebe ja das Arbeiten mit Materialien. Es ist doch so: Wollen die Rechenaufgaben einfach nicht klappen, dann geistern im Kopf schnell Sätze herum, wie:
- Rechnen ist anstrengend.
- Ich kann das nicht.
- Ich verstehe das nicht.
Keine gute Basis, um den Matheknoten zu lösen, oder?
Wenn Kinder nun aber Mathe mit Material lernen, wird aus einer abstrakten Rechenaufgabe plötzlich etwas Greifbares und Spielerisches.
Es geht jetzt um Erfahren, Entdecken, Ausprobieren … letztendlich um Neugier. Damit führt man ein Kind auf der Gefühlsebene erst einmal vom abstrakten Mathe weg und rein in eine spielerische Welt. Und hier kann es sich dann unbeschwert bewegen.
Und ganz ehrlich, für mich ist es dann immer der schönste Moment, wenn irgendwann der Satz kommt „Das war ja gar nicht so schwer, wie ich dachte.“
Insofern möchte ich dich ermutigen, das Material mit in eure Übungen zu integrieren, damit Zahlen, Mengen und Rechenzeichen „sichtbar und erlebbar“ werden.

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