📌 Kurz und knackig
Warum fällt das Minusrechnen vielen Kindern schwerer als Plus?
Dein Kind ist es gewohnt, Zahlen vorwärts zu zählen – sie werden größer. Bei Minus erfolgt jetzt aber ein Richtungswechsel. Zudem erfordert Minus mehr Vorstellungskraft, was da gerade passiert.
Was ist die häufigste Ursache für Schwierigkeiten beim Minusrechnen?
Meistens fehlen wichtige Grundlagen, wie sicheres Rückwärtszählen, Zahlzerlegung und ein Verständnis für die Handlung, die hinter dem Minus steckt.
Kann ich meinem Kind helfen?
Auf jeden Fall – mit Material zum Veranschaulichen und einem schrittweisen Aufbau von Minus.
Das erwartet dich in diesem Artikel:
Du erfährt, warum Minus vielen Kindern schwerer fällt als Plus und wie du dein Kind beim Minuslernen gezielt unterstützen kannst.
Viele Eltern sind überrascht: Ihr Kind rechnet Plus ohne Probleme – beim Minusrechnen aber gerät es ins Straucheln. Dabei scheinen beide Rechenarten auf dem ersten Blick doch recht einfach – ihr Kind lernt sie kurz nacheinander in der 1. Klasse kennen. Und auch der Zahlenraum bleibt identisch. Warum also dieser Unterschied?
Der Unterschied liegt darin, dass im Minus mehr steckt, als du es vielleicht zunächst vermuten würdest. Dein Kind braucht mehr Grundlagen, mehr Vorstellungskraft – und einen gedanklichen Schritt, den dein Kind erst noch lernen muss.
In diesem Artikel erkläre ich dir, warum das so ist, und zeige dir, wie du dein Kind konkret beim Minuslernen unterstützen kannst.
Warum Kinder Plus oft leichter verstehen als Minus
Auch wenn dein Kind noch gar nicht zur Schule geht, hat es vor allem mit dem Plusrechnen indirekt schon ganz viele Berührungspunkte im Alltag:
- Es sammelt Perlen und Kastanien.
- Es bekommt ein paar Gummibärchen geschenkt.
- Es holt sich noch Bausteine dazu, um einen höheren Turm bauen zu können.
In allen Fällen kommt etwas hinzu. Die Ausgangsmenge wird größer. Und dein Kind kann die ganze Zeit beobachten, was passiert. Und genau das ist die Bedeutung von Plus: Du fügst etwas zu einer Menge hinzu.
Zudem gibt es noch einen zweiten, nicht zu unterschätzenden Aspekt.
Kannst du dich noch daran erinnern, wie dein Kind angefangen hat zu zählen? Es war sicherlich noch vor der Einschulung, oder?
Die meisten Kinder lieben es, zu zählen bzw. Sachen abzuzählen. Dabei ist es egal, ob es bis zur 10, bis zur 20 oder sogar darüber hinausgeht. Bis zur Einschulung hat dein Kind vermutlich schon recht viel gezählt – und dabei kennengelernt, dass beim Zählen immer etwas hinzukommt.
- Dein Kind darf sich 3 Gummibärchen nehmen – 1, 2, 3
- Dein Kind würfelt eine 6 und darf sechs Felder vorrücken – 1, 2, 3, 4, 5, 6
- Dein Kind findet 2 Steine – 1, 2
Diese Erfahrung nimmt dein Kind mit in die Schule.
Wenn nun in der 1. Klasse das Plus eingeführt wird, findest sich dein Kind hier in der Regel recht schnell wieder. Denn Plus bedeutet als Handlung ja, dass etwas hinzugenommen wird. Und das kennt dein Kind bereits schon von den Gummibärchen, vom Würfeln und von den Steinen.
Und selbst wenn dein Kind die Strategie des Plusrechnens noch nicht ganz verstanden hat, kann es sich dennoch helfen, indem es die Aufgabe abzählt.
Aus 5 + 3 wird dann die Aufgabe:
👉 Ich starte bei der 5 und zähle 3 weiter: 6 – 7 – 8
Es ist zwar nicht die Rechenstrategie, die im Unterricht vermittelt wird, aber vom Grunde hat dein Kind die Idee des Plusrechnens korrekt umgesetzt. Sowohl beim Plusrechnen wie auch beim Abzählen geht es in die gleiche Richtung – das heißt, es geht die Zahlenfolge aufwärts.
Das Plusrechnen ist also gar nicht so fremd.
Ganz anders verhält es sich aber beim Minusrechnen.
Bei Minus wird das Ergebnis kleiner – und es kommt damit zu einem Richtungswechsel.
Dein Kind ist das Aufwärtszählen gewohnt, muss für Minus aber rückwärts rechnen. Und das ist – zumindest in den Anfängen – recht ungewohnt.
Aber es ist auch ganz natürlich. In der Regel zählen wir im Alltag nicht rückwärts. Dein Kind hat diese Richtung damit noch gar nicht bewusst kennengelernt und wird somit nun beim Rechnen mit einem ganz neuen Ansatz konfrontiert.
Warum Minusrechnen für viele Kinder so schwierig ist
Beim Minusrechnen geht die Taktik mit dem Weiterzählen für dein Kind also nicht auf. Stattdessen fordert das Minus von deinem Kind:
- Rückwärts zu denken
- Verstehen, dass etwas weggenommen wird
- Sich vorzustellen, was nach dem Wegnehmen noch übrigbleibt
Und für viele Kinder sind diese Anforderungen kognitiv deutlich anspruchsvoller.
Minus erfordert einen Richtungswechsel – und das fällt vielen Kindern schwer
Beim Plusrechnen geht es in die deinem Kind vertraute Richtung. Dein Kind zählt vorwärts, und genauso werden die Ergebnisse von Plusaufgaben größer.
Beim Minusrechnen passiert jetzt aber genau das Gegenteil – die Richtung kehrt sich um. Das Ergebnis wird kleiner.
Für dich ist das jetzt selbstverständlich und du wirst denken „Ja, und?“. Aber du hast dich bereits daran gewöhnt und dieses Konzept verinnerlicht. Für dein Kind ist dieses Denken jedoch alles andere als banal – es ist ein neuer Lernschritt.
Jetzt fragst du dich vielleicht: Aber mein Kind kennt das doch, dass Mengen kleiner werden können. Wenn ihm jemand zum Beispiel seine Gummibärchen wegnimmt, dann weiß es, dass es jetzt weniger zum Naschen hat – und protestiert.
Und du hast damit recht. Dein Kind kennt das Prinzip ganz sicher. Aber dein Kind hat dieses Wegnehmen in den seltensten Fällen gezählt.
Beim Plusrechnen sah es so aus: Wenn dein Kind 4 Perlen hatte und nun 3 dazubekam, wenn es noch 5 weitere Muscheln am Strand fand oder 6 weitere Felder auf dem Spielfeld vorrücken durfte, dann hat es dieses „mehr“ abgezählt und vielleicht auch noch das Endergebnis zählerisch ermittelt. Es war kein Rechnen im eigentlichen Sinne, sondern nur ein Spiel. Trotzdem hat dein Kind das Hinzunehmen bereits unbewusst auf den Zahlenstrahl übertragen und letztendlich das Konzept vom Plusrechnen angewandt.
Bei Minus fehlt allerdings in der Regel die Verknüpfung vom Wegnehmen auf die Zahlenebene. Es fehlt das Vorwissen, dass es jetzt die Zahlenreihe rückwärts geht:
➡️ Ich habe 8 Gummibärchen. Davon werden mir 3 weggenommen. Also bleiben nur noch 7 – 6 – 5 Gummibärchen übrig.
Diese Richtung haben unsere Kinder vor der Grundschulzeit nicht gezählt.
Das ist auch überhaupt nicht schlimm, sondern absolut natürlich. Dein Kind braucht in der 1. Klasse einfach seine Zeit, um zu erkennen, dass es jetzt auch eine zweite Richtung auf der Zahlenfolge gibt.
Beim Minusrechnen werden Grundlagen besonders sichtbar
Da dein Kind das Minusrechnen erst lernen muss, hat es keine Vorerfahrung, auf die es sich stützen kann, wenn es nicht weiterweiß. Das heißt, dass es jetzt nur die Chance hat, bei Minus mit seinem Vorwissen zu arbeiten. Und das bedeutet wiederum, dass Lücken, die beim Plusrechnen noch nicht erkennbar waren, nun beim Minusrechen sichtbar werden.
Um sicher Minus zu rechnen, braucht dein Kind folgende Grundlagen:
- Sicheres Rückwärtszählen (zumindest am Anfang der 1. Klasse)
- Verständnis, was Plus und Minus als Handlung bedeuten
- Übertragung von Plus und Minus auf den Zahlenstrahl
- Zahlzerlegung, in welche zwei Zahlen eine Zahl aufgeteilt werden kann
- Spätestens ab der 2. Klasse Verständnis für den Zehnerübergang
- Und nicht zu vergessen: Dezimalsystem und Stellenwertsystem
Ist einer dieser Basis-Bausteine nicht sicher aufgebaut, dann zeigen sich die Fehler folglich insbesondere beim Minusrechnen. Als Folge der fehlenden Grundlagen kann es sein, dass dein Kind auch wieder vermehrt mit den Fingern rechnet. Warum das so ist und wann du genauer hinschauen solltest, erfährst du hier: Mein Kind rechnet noch mit den Fingern – woran liegt das?
Vielleicht fragst du dich jetzt, warum aber Plus scheinbar gut klappt, denn die aufgeführten Grundlagen werden auch für ein sicheres Plusrechnen benötigt. Der Grund hierbei ist meistens folgender:
Dein Kind hat bei Plus bereits Vorwissen aufgebaut. Es weiß, eine Menge kommt hinzu, also muss es nur weiterzählen. Und genau dieses Weiterzählen ist die Hilfsstrategie, auf die dein Kind bei Plus zurückgreift und damit trotz bestehender Lücken in den Grundlagen zum richtigen Ergebnis kommt. Diese Strategie hilft in der 1. Klasse sehr gut, da der Zahlenraum bis 20 noch recht übersichtlich ist. Wenn dann in der 2. Klasse der Zahlenraum auf 100 erweitert wird, wird auch das Abzählen mühsamer und das „Plusrechnen“ wird fehleranfälliger. Spätestens im Zahlenraum 1.000 ab der 3. Klasse werden dann auch die fehlenden Grundlagen beim Plusrechnen deutlich sichtbar.
💡 Tatsächlich gehört die Zahlzerlegung zu den wichtigsten Grundlagen für sicheres Minusrechnen, denn mit ihrer Hilfe kann sich dein Kind die Minusaufgaben im Zahlenraum 10 vollständig ableiten und sie ist Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Zehnerübergang.
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Kind die Zahlen bereits sicher zerlegen kann, findest du hier meinen ausführlichen Artikel zum Zahlen zerlegen lernen.
Warum das Minusrechen bis 100 in der 2. Klasse auf einmal schwieriger wird
Schwierigkeiten beim Minusrechnen zeigen sich nicht häufig direkt in der 1. Klasse. Viele Eltern berichten mir, dass ihr Kind im ersten Schuljahr noch recht gut mit Minus zurechtkam und erst in der 2. Klasse in Straucheln geriet.
Das kann sehr gut sein.
In der 1. Klasse bewegt sich dein Kind noch im Zahlenraum 20. Hier wird noch viel mit Bildern oder mit Abzählen gearbeitet. Es kann auch sein, dass dein Kind bereits angefangen hat, die Minusaufgaben in diesem Zahlenbereich auswendig zu lernen – was definitiv gut ist, aber erst, wenn das Konzept „Minus“ verstanden wird.
In der 2. Klasse kommt der Sprung in den Zahlenraum 100. Und hierfür wird der Wissenstransfer aus der 1. Klasse verlangt. Das heißt, dein Kind ist jetzt gefordert, die in Klasse 1 erlernten Strategien in den höheren Zahlenraum zu übertragen. Hat es diese Strategien allerdings noch nicht sicher aufgebaut, scheitert jetzt das Minusrechnen. Hinzu kommt, dass im Zahlenraum 100 auch der Zehnerübergang eine immer größere Rolle spielt. Damit kommt eine zusätzliche Komplexität rein und das Minusrechnen wird auf ein höheres Level gesetzt.
Um erfolgreich im Zahlenraum 100 Minus zu rechnen, braucht dein Kind jetzt unbedingt ein sicheres Verständnis für:
- Bedeutung von Minus
- Orientierung am Zahlenstrahl bis 100
- Dezimal- und Stellenwertsystem (Bedeutung von Zehnern und Einern)
- Zahlzerlegung
- Zehnerübergang
Sind einige dieser Grundlagen noch nicht vollständig aufgebaut, zeigt sich das jetzt beim Minusrechnen. Das Minusrechnen als solches wird damit eigentlich gar nicht wirklich schwerer – es fordert einfach nur mehr Grundlagen und mehr drum herum.
Für das Minusrechnen braucht dein Kind deutlich mehr Vorstellungskraft
Neben dem Richtungswechsel gibt es einen weiteren Knackpunkt beim Minusrechnen – und zwar braucht dein Kind mehr Vorstellungskraft für die Handlung, die hinter dem Minus steckt.
Vor allem in der 1. Klasse bekommen die Kinder gerne Aufgaben gestellt, die sie malen sollen. Und durch dieses Malen zeigt sich sehr gut die kognitive Leistung, die insbesondere bei Minus erbracht werden muss.
Bei Plus ist das Malen recht intuitiv.
Die Aufgabe 4 + 3 = 7 kann zum Beispiel durch einen Haufen mit 4 Äpfeln und daneben durch einen zweiten Haufen mit 3 Äpfeln dargestellt werden. Das Ergebnis ist dann ein Haufen bestehend aus 7 Äpfeln.
Soweit zum Plus. Wie sieht es aber bei Minus aus?
Wenn Kinder die Aufgabe 4 – 3 = 1 malen sollen, dann lösen sie es häufig folgendermaßen: Sie malen 4 Äpfel und daneben 3 Äpfel – also analog zu Plus. Als Ergebnis wird dann 1 Apfel gemalt.
Auf den ersten Blick hört sich das doch eigentlich gut an, oder?
Tatsächlich ist diese Darstellung falsch, denn die 3 Äpfel, die weggenommen werden, kommen gar nicht als eigenständige Menge vor. Es handelt sich dabei ausschließlich um die Menge, um die die 4 Äpfel reduziert werden.
Korrekt wäre damit, 4 Äpfel zu malen, und dann in einem zweiten Schritt 3 von den 4 Äpfeln wieder wegzuradieren. Das Ergebnis ist dann die Menge, die übrig bleibt.
Und hierin liegt der entscheidende Unterschied zu Plus. Bei Plus sieht dein Kind jeweils, was gerade passiert. Die Mengen (also im Beispiel die Apfelhaufen) sind immer da – abzählbar, sichtbar. Sie werden für das Ergebnis zusammengeschoben – hier verschwindet nichts.
Bei Minus hingegen verschwindet etwas. Die 3 Äpfel, die weggenommen werden, sind am Ende nicht mehr da. Übrig bleibt ja nur 1 Apfel. Die entfernten Äpfel kann sich dein Kind nur vorstellen. Und dieses Vorstellen – so banal es auch klingen mag – ist eine große gedankliche Herausforderung, die vielen Kindern am Anfang schwerfällt und damit das Verständnis für Minus belastet.
So kannst du deinem Kind beim Minusrechnen helfen
Für dich erst einmal ganz wichtig zur Einordnung: Wenn du bei deinem Kind Schwierigkeiten beim Minusrechnen beobachtest, dann heißt das keinesfalls sofort, dass hier ein größeres Problem vorliegt.
Manche Kinder brauchen in der 1. Klasse etwas länger, um sich mit dem Konzept des Minusrechnens auseinanderzusetzen – und das ist auch völlig in Ordnung.
Wichtig ist dabei vor allem eines: Übt zu Hause nicht einfach nur mehr Aufgaben, sondern achte darauf, dass ihr bei deinem Kind zunächst das Verständnis für Minus sicher aufbaut.
Die nachstehenden Ansätze haben sich dabei in meiner Praxis besonders bewährt.
Minus sichtbar machen
Je weniger dein Kind mit einem Thema vertraut ist und umso abstrakter es damit wird, desto wichtiger ist es, dass dein Kind erleben kann, was da eigentlich genau passiert.
Aus diesem Grund starte ich gerne in jedes neue Thema mit Material, das mir dabei hilft, Mathe für Kinder anschaulich und erfahrbar zu machen.
Welches Material du wählst, ist dabei zweitrangig. Am besten funktionieren immer Materialien,
- … mit denen dein Kind vielleicht schon im Matheunterricht arbeitet und die ihm daher vertraut sind oder
- … die die Interessen deines Kindes aufgreifen, also z.B. Autos, Perlen, Murmeln, Legosteine
Wenn du weitere Informationen dazu haben möchtest, mit welchen Materialien du Mathe für dein Kind anschaulicher gestalten kannst, dann schaue gerne in meinem Blogartikel vorbei: Mathe anschaulich lernen in der 1. und 2. Klasse
Um das Minusrechnen nun sichtbar zu machen, legst du beispielsweise für die Aufgabe 7 – 4 sieben Murmeln auf den Tisch.
Da Minus „Wegnehmen“ bedeutet, darf sich dein Kind jetzt 4 Murmeln schnappen. Schaut euch dann einmal gemeinsam die Situation an:
- Wie viele Murmeln lagen am Anfang da?
- Wie viele Murmeln hat dein Kind weggenommen – und hält vielleicht noch in seiner Hand?
- Wie viele Murmeln sind auf dem Tisch übriggeblieben?
Hier wird noch nicht gerechnet, es wird keine Rechenstrategie angewandt, es wird keine Aufgabe geschrieben. Aber dein Kind steckt dennoch voll im Minus drinnen. Es lernt, was eigentlich genau passiert, wenn ein Minus in der Aufgabe auftaucht.
Und je mehr dein Kind hier das Verständnis aufbauen kann, desto leichter fällt ihm später der Schritt vom konkreten und anschaulichen Handeln hin zur abstrakten Rechenaufgabe auf dem Arbeitszettel.
Rechenwege laut sprechen
Es gibt eine Redewendung: Einen Penny für deine Gedanken.
Diese Redewendung gilt auch für die Mathematik – und hier insbesondere für das Rechnen. Wenn dein Kind seine Minusaufgaben im Heft löst, dann lass es seine Gedankengänge laut aussprechen.
Bei der Aufgabe 7 – 4 = könnte es z.B. sein:
➡️ Ich habe 7 und nehme davon 4 weg. Übrig bleiben 3.
Was bringt dieses laute Denken?
Eine ganze Menge:
- Du bekommst sofort mit, wenn sich bei deinem Kind wieder eine Unsicherheit oder ein Fehler einschleicht, und kannst entsprechend reagieren.
- Dein Kind zwingt sich so, den Rechenweg zu formulieren, und hat damit einen roten Faden für das Lösen der Minusaufgabe zur Hand.
- Insbesondere am Anfang, wenn sich dein Kind noch mit dem Minusrechnen vertraut macht, kann es durch das Sprechen die Brücke zur Handlung aufbauen. Es formuliert, was genau bei dieser Aufgabe passiert und bekommt dann so gleich die richtigen Bilder in den Kopf.
Nicht zu schnell zum Zehnerübergang wechseln
Bei vielen Eltern kommt häufig die Sorge auf, dass ihr Kind den Anschluss an den Schulstoff verlieren könnte. Das führt wiederum dazu, dass sie beim Üben zu Hause schnell den Schwierigkeitsgrad steigern oder gleich mit schwierigeren Aufgaben starten.
Ich weiß, es ist gut gemeint, aber gerade beim Minusrechnen lohnt es sich, wirklich schrittweise im Tempo deines Kindes voranzugehen.
- Zunächst sollte dein Kind die Zeit haben, ein sicheres Verständnis für die Bedeutung von Minus aufzubauen.
- Danach kommt dann der Übergang auf die Rechenaufgaben – hier erst einmal mit einfachen Aufgaben im Zahlenraum 10 starten.
- Ist dein Kind in der Lage, diese Aufgaben dann auch souverän lösen, kannst du einen Schritt weiter in den Zahlenraum 20 gehen.
Den Zehnerübergang würde ich erst einmal ausklammern, denn der Zehnerübergang erfordert noch zwei zusätzliche Rechenschritte, und dein Kind soll sich erst einmal voll und ganz auf das Minus an sich konzentrieren können.
💡 Warum der Zehnerübergang so vielen Kindern Schwierigkeiten bereitet und wie du ihn deinem Kind anschaulich erklären kannst, findest du in meinem detaillierten Blog-Artikel zum Zehnerübergang.
Auf den ersten Blick mag dieser Weg für dich langsam erscheinen. Aber wenn erst einmal die Basis solide und sicher aufgebaut ist, gehen die nächsten Schritte in der Regel auch deutlich schneller.
Wann du genauer hinschauen solltest
Du solltest aufmerksam werden, wenn du bei deinem Kind einige der folgenden Punkte beobachten kannst:
- Dein Kind nutzt insbesondere beim Minusrechnen die Finger.
- Dein Kind rechnet auch bei Minusaufgaben Plus.
- Es kann den Rechenweg beim Minusrechnen nicht erklären.
- Insbesondere die Minusaufgaben sind fehlerhaft – und die Ergebnisse scheinen manchmal mehr geraten als gerechnet.
- Dein Kind braucht zum Minusrechnen deutlich mehr Zeit als bei Plus.
- Minusaufgaben führen schnell zu Frustration.
💡 Bitte sieh diese Punkte ausschließlich als Orientierungshilfe an. Falls du bei einem oder mehreren Punkten genickt hast, heißt das noch lange nicht, dass hier ein größeres Problem vorliegt. Es lohnt sich aber, noch einmal genauer hinzuschauen, damit keine Lücken übersehen werden, die sich sonst erst später bemerkbar machen würden.
📌 Fragst du dich nach diesen Anzeichen gerade, ob deinem Kind eventuell wichtige Grundlagen fehlen?
Wenn du dir einen Überblick wünscht, welche Grundlagen dein Kind am Ende seiner Klassenstufe im Rechnen beherrschen sollte, dann ist der KURS-Check Grundschule genau das Richtige für dich. Du bekommt konkrete Beobachtungspunkte zum Abhaken und Platz für deine Notizen.
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Häufige Fragen, warum das Minusrechnen schwerer als Plus fällt
Wenn das Minusrechnen nicht klappt, dann ist der erste Gedanke bei vielen Eltern, dass noch nicht ausreichend geübt wurde. „Wir müssen einfach noch mehr Rechnen üben.“
Der Gedanke ist gut gemeint, aber führt nicht zum gewünschten Ziel. Wenn ihr bereits einiges getan habt und sich trotzdem keine Fortschritte einstellen, dann hilft es in der Regel, einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, wo es anfängt, für dein Kind schwierig zu werden. Liegt es vielleicht am Zahlenraum? Klappt die Zahlzerlegung noch nicht zuverlässig? Oder ist sogar das Verständnis für Minus noch nicht sicher aufgebaut?
Erst wenn die Basis sitzt, macht das weiteres Üben wirklich Sinn
Das Minus wird gemeinsam mit dem Plus in der 1. Klasse eingeführt. Zu Beginn rechnet dein Kind im Zahlenraum 10, zum Ende der 1. Klasse lernt dein Kind dann auch en Zahlenraum bis 20 kennen. Und dann folgen auch die ersten Minusaufgaben in diesem Bereich.
Wenn dabei doch mal die Finger hinzugenommen werden oder der Zehnerübergang noch nicht so recht klappen will, ist das kein Problem. Wichtig ist, dass dein Kind ein grundsätzliches Verständnis für das Minusrechnen bis zum Ende der 1. Klasse entwickelt, damit es dann in Klasse 2 den Sprung in den Zahlenraum 100 gut mitmachen kann.
Ja, bis zum Ende der 1. Klasse bzw. Anfang der 2. Klasse ist das alles noch im Rahmen. Das Rechnen mit Fingern vermittelt deinem Kind eine gewisse Sicherheit, wenn das Minusrechnen noch nicht ganz gefestigt ist.
Aufpassen solltest du, wenn dein Kind auch im Laufe der 2. Klasse nicht vom Fingerrechnen wegkommt oder du das Gefühl hast, dass dein Kind die Finger als Instrument nutzt, um das Minusrechnen komplett zu umgehen.
Dann lohnt es sich für dich, noch einmal einen Blick auf die Grundlagen zu werfen, ob hier wirklich alles verstanden ist.
Mit dieser Frage kommen Eltern häufig zu mir.
Wenn ein Kind Schwierigkeiten mit den aktuellen Mathethema in der Grundschule hat, dann liegt es häufig nicht am Thema selbst. Oft lassen sich Lücken in den Grundlagen finden, die jedoch für das Verständnis des aktuellen Themas wichtig sind.
Zum Minusrechnen gehören so z.B. die Zahlzerlegung oder auch der Zehnerübergang mit zu den wichtigsten Grundlagen.
Für Eltern ist es oft schwer einzuschätzen, welche Grundlagen ihr Kind bis zum Ende einer Klassenstufe aufgebaut haben sollte.
Genau deshalb ich den den KURS-Check Grundschule erstellt, der dir eine Checkliste für die Klassen 1 bis 4 an die Hand gibt, welche Grundlagen dein Kind am Ende deiner Klassenstufe aufgebaut haben sollte. So erhältst du direkt einen Überblick, welche Themen bereits schon gefestigt sind und wo ihr doch noch einmal näher hinschauen solltet.
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Fazit
Eigentlich sollten Plus und Minus vergleichbar vom Schwierigkeitsgrad her sein – zumindest auf den ersten Blick, denn Plus und Minus sind einfach nur Rechenoperationen, bei denen Mengen zusammengefügt bzw. voneinander abgezogen werden. Der Grund, warum das Minusrechnen trotzdem vielen Kindern deutlich schwerer fällt, liegt etwas versteckt:
- Minus erfordert mehr Vorstellungskraft.
- Fürs Minusrechnen müssen die Grundlagen verstanden sein.
- Beim Minus geht es den Zahlenstrahl rückwärts – also in eine ungewohnte Richtung.
Wenn deinem Kind das Minusrechnen schwerer als das Plusrechnen fällt, dann ist das erst einmal absolut ok. Minus ist definitiv die anspruchsvollere Rechenart und dein Kind braucht seine Zeit, um sich an dieses neue Konzept zu gewöhnen.
Mit Materialien zur Anschauung und einem schrittweisen Aufbau des Minusrechnens kannst du dein Kind zu Hause unterstützen, hier nach und nach mehr Sicherheit zu gewinnen. Der Game-Changer hierbei ist, dass dein Kind zunächst versteht, was Minus konkret bedeutet. Dann stellt das eigentliche Rechnen mit Minus keinen großen Stolperstein mehr dar.
