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Mein Kind rechnet noch mit den Fingern – woran liegt das?

  • Beitrag zuletzt geändert am:16. Juni 2026
  • Beitrags-Kategorie:Mathe
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📌 Kurz und Knackig

Ist das Rechnen mit den Fingern schlimm? Nein – vor allem nicht zu Beginn der Grundschule. Das Rechnen mit den Fingern hilft deinem Kind vielmehr, sich mit der abstrakten Welt der Zahlen und dem Rechnen vertraut zu machen.

Wann soll ich genauer hinschauen? Wenn dein Kind nicht nur vorübergehend mit den Fingern rechnet, sondern diese auf Dauer nutzt. Du kannst es z.B. daran erkennen, dass es Mengen immer wieder von vorne abzählt oder den Rechenweg zu einfachen Aufgaben nicht beschreiben kann.

Was steckt häufig hinter dem Fingerrechnen? Meistens fehlen wichtige Grundlagen, die dein Kind zum sicheren Rechnen benötigt, wie z.B. die Zahlzerlegung oder das Verständnis für Plus und Minus

In diesem Artikel lernst du: Wann du genauer hinschauen solltest und welche Grundlagen fehlen könnten. Zudem erfährst du, wie du dein Kind dabei unterstützen kannst, ein sicheres Fundament aufzubauen, damit das Rechnen mit den Fingern schon bald überflüssig wird.

Wochenende … Mathehausaufgaben … Dein Kind soll 8 + 5 rechnen und schwupps … landen die Finger auf dem Tisch. Die Aufgabe wird wieder von vorne abgezählt.

Du beobachtest das Fingerrechnen bei deinem Kind schon längere Zeit und fragst dich langsam: Ist das in der Grundschule noch normal oder bedeutet das vielleicht, dass bei meinem Kind wichtige Grundlagen fehlen? Haben wir etwas übersehen?

Tatsächlich rechnen viele Grundschulkinder gerade in der 1. Klasse mit den Fingern. Aber das ist nicht sofort bedenklich – auch wenn das Fingerrechnen häufig kritisiert wird. Entscheidend ist, ob das Rechnen mit den Fingern dauerhaft stattfindet. Denn dann kann dieses ein Hinweis auf fehlende Grundlagen in der Grundschulmathematik sein.

In diesem Artikel erkläre ich dir, wann Fingerrechnen völlig normal ist, wann du aufmerksam werden solltest. Erfahre zudem, wie du dein Kind sinnvoll unterstützen kannst, vom Rechnen mit den Fingern abzulassen.

Warum benutzen Kinder beim Rechnen ihre Finger?

Die Finger erfüllen eine ganz wichtige Funktion: Sie machen die Zahlen sichtbar und bilden somit die Brücke zwischen dem abstrakten Symbol (= Zahl) und der konkreten Darstellung (= Menge).

Wenn dein Kind in die Schule kommt, freut es sich sicherlich darauf, die Zahlen schreiben zu lernen. Aber es malt sie am Anfang eher ab, als dass es sie flüssig schreibt. Das ist ganz normal, denn die Zahlen sind für dein Kind zunächst nichts anderes als willkürliche Symbole.

Dass hinter diesen Symbolen eigentlich Mengen stecken, also z.B. mit dem Symbol „5“ fünf Gummibärchen oder fünf Murmeln gemeint sind, muss dein Kind erst noch verstehen lernen.

Nun sitzt es vor den Rechenaufgaben – bestehend aus ausschließlich Symbolen – und soll mit diesen Symbolen etwas ausrechnen. Die Finger helfen deinem Kind jetzt aber dabei, die Symbole in Mengen zu übersetzen und so das Ergebnis zu ermitteln. Ohne gesondertes Mathe-Material, wie Dienes-Material oder Steckwürfel, hat es „sein“ Hilfsmittel zur Hand, die Rechenaufgabe auf dem Arbeitsblatt sichtbar und anfassbar zu machen.

Wann ist das Rechnen mit den Fingern normal?

Ich weiß, das Rechnen mit Fingern ist häufig negativ belegt, dabei gibt es Situationen, in denen es mehr als hilfreich sein kann:

  • Wenn dein Kind in die 1. Klasse kommt, strömen ganz viele neue Mathethemen auf es ein. Dein Kind muss sich mit der Schreibweise von Zahlen befassen, lernt das Prinzip von Mengen kennen und erfährt, dass zwischen Zahlen und Mengen eine enge Beziehung besteht. Auch wenn dein Kind vor der Einschulung bereits bis 20 oder vielleicht sogar auch schon locker bis 100 zählen konnte, war das eher spielerisch. Jetzt lernt es die Mathematik dahinter kennen – und das kann verunsichernd sein. Die Finger aber sind ihm vertraut und bieten den Halt, den es erst noch durch das Verstehen der Themen finden muss. Wenn also dein Kind gerade zu Beginn der 1. Klasse anfängt, z.B. wieder mit den Fingern zu zählen, dann braucht es vermutlich gerade diese Sicherheit.
  • Häufig greifen Kinder auf das Fingerrechnen zurück, wenn im Unterricht eine neue Rechenart eingeführt (z.B. Minus) oder eine Rechenart erweitert (z.B. Zehnerübergang) wird. Dein Kind erinnert sich an die altbewährte Strategie und holt sich so die Sicherheit, die im neuen Themengebiet zu Beginn noch fehlt.
  • Hand aufs Herz – hast du vielleicht vor nicht allzu langer Zeit auch mal selbst deine Finger zum Abzählen oder zum Rechnen benutzt? Wir Erwachsenen nutzen die Finger gerne, um uns zu fokussieren und zu konzentrieren. Häufig ist dann zu beobachten, dass wir mit den Fingern nacheinander auf die Tischplatte tippen. Diese Berührung hilft uns, uns innerlich zu sortieren.

Natürlich gibt es auch die Zeitpunkte, ab denen dein Kind die Finger zum Rechnen nicht mehr benötigen sollte. Solange du aber beobachtest, dass dein Kind Fortschritte im jeweiligen Mathethema macht und mit der zunehmenden Sicherheit auch mehr und mehr vom Fingerrechnen abrückt, ist alles im Rahmen.

Wann solltest du beim Fingerrechnen genauer hinschauen?

Viele Eltern sind beim Fingerrechnen am Anfang der Grundschulzeit recht gelassen. Doch je länger die Grundschulzeit voranschreitet, desto häufiger kommen Zweifel:

„Mein Kind zählt in der 2. Klasse immer noch mit den Fingern – ist das noch normal?“

Schwierige Frage, denn sie ist nicht leicht zu beantworten. Wie eben schon gesehen ist weniger entscheidend, dass dein Kind mit den Fingern rechnet, als vielmehr warum es das tut. Nimmt dein Kind die Finger bei einem neuen Thema zur Hilfe, ist das erst einmal in Ordnung. Greift es hingegen auch bei einfachen Aufgaben immer wieder auf das Fingerrechnen zurück, dann solltest du ab der 2. Klasse schon einmal genauer hinschauen.

Es gibt hierbei ein paar Signale, die dir bei der Einschätzung der Situation helfen können.

Dauerhaftes Rechnen mit Fingern

Dein Kind darf gerne in der 1. Klasse seine Finger zum Rechnen benutzen. Das steht außer Frage. Der Einsatz der Finger sollte nur im Laufe des Schuljahres zunehmend weniger werden und am Ende der 1. Klasse nur noch sporadisch erfolgen. Wenn dein Kind allerdings auch weiterhin fast ausschließlich mit den Fingern rechnet, könnten ihm Grundlagen fehlen, die es mit den Fingern versucht zu ersetzen.

Wiederholtes Abzählen

Insbesondere beim Rechnen im Zahlenraum 20 kommen Rechenaufgaben immer wieder aufs Neue dran. Sollte dein Kind diese jedes Mal wieder von vorne abzählen, ohne irgendwann die Aufgaben herleiten und bestenfalls auswendig zu können, könnte es Schwierigkeiten mit der Zahlzerlegung haben. Es könnte das Verständnis dafür fehlen, wie Zahlen zusammengesetzt und wieder variabel zerlegt werden können.

Rechenwege nicht erklärbar

Dein Kind kann die Plus- und Minusaufgaben mit den Fingern korrekt berechnen, dir im Anschluss daran die Aufgabe aber nicht noch einmal mit Hilfe der gelernten Rechenstrategie lösen, dann scheint die Verknüpfung vom Fingerrechnen hin zur Rechenstrategie noch nicht aufgebaut zu sein.

Hoher Zeitaufwand

Das Fingerrechnen kostet in der Regel viel Zeit. Wenn dein Kind trotzdem hartnäckig beim Fingerrechnen bleibt, obwohl die Rechenstrategien zu Plus und Minus schon vor längerer Zeit vermittelt wurden, könnte dein Kind das Fingerrechnen als Halt in den Rechenstrategien benötigen.

Ausgelassene Zwischenschritte

Die schriftlichen Übungsaufgaben im Unterricht sind häufig so aufgebaut, dass dein Kind schrittweise die Rechenaufgaben lösen soll. So würde zum Beispiel die Rechenaufgabe 8 + 5 = 13 in die beiden Rechnungen 8 + 2 = 10 und 10 + 3 = 13 aufgeteilt werden. Wenn dein Kind nun mit den Fingern rechnet, ohne diese Zwischenschritte auszufüllen, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Rechenwege noch nicht vollständig verstanden sind.

💡 Grundlagen – bis wann sollten welche aufgebaut sein?

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Welche Grundlagen könnten beim Fingerrechnen fehlen?

Wenn dein Kind sich nicht vom Rechnen mit den Fingern lösen möchte, dann sind häufig Unsicherheiten in den Grundlagen zu finden. Die drei häufigsten Ursachen, die ich bei mir in der Praxis beobachte, sind folgende:

Unsicheres Mengenverständnis

Beim Mengenverständnis geht es darum, mit Mengen zu arbeiten. Das mag jetzt sehr kryptisch klingen, insofern möchte ich dir hierzu ein paar Beispiele geben:

  • Dein Kind sollte auf einen Blick erkennen können, wie viele Dinge vor ihm liegen. Wenn auf dem Tisch drei Gummibärchen liegen, dann sollte dein Kind diese auch durchs Hinschauen erfassen können. Bei größeren Mengen wird das natürlich schwierig. Aber wenn die Mengen strukturiert sind, wie z.B. die 6 Punkte auf einem Würfel, dann kann dein Kind mit dieser Anordnung auch größeren Mengen erfassen. Ist das Mengenverständnis noch nicht aufgebaut, würde dein Kind jedes Mal wieder anfangen, die Gummibärchen bzw. die Würfelaugen abzuzählen.
  • Lege zu den 3 Gummibärchen ein weiteres hinzu. Dein Kind sollte jetzt wissen, dass sich die Menge um 1 auf 4 erhöht. Kinder, die unsicher sind, gehen auch hier wieder ins Abzählen über.
  • Was passiert, wenn du die 4 Gummibärchen nun anders anordnest, also z.B. alle untereinander legst? Ändert sich dann die Anzahl der Gummibärchen? Nein, natürlich nicht – aber auch dieses Verständnis muss erst aufgebaut werden.

Zahlzerlegung nicht automatisiert

Bei der Zahlzerlegung handelt es sich um ein wirklich absolut zentrales Thema, wenn es um das Rechnen in der Grundschule geht – vor allem bei Plus und Minus. Dein Kind sollte wissen, dass es die 7 in 4 und 3 zerlegen kann. Es sollte aber auch wissen, dass dieses nur eine von mehreren Möglichkeiten ist.

Beherrscht dein Kind die Zahlzerlegung der Zahlen 1 bis 10, dann ist es in der Lage, jede Plus- und Minusaufgaben aus dem Zahlenraum 10 abzuleiten.

Ebenso wird dein Kind spätestens ab Klasse 2 nicht um den Zahlzerlegung herumkommen, wenn das Rechnen mit Zehnerübergang eingeführt wird. Wie die Zahlzerlegung hier ins Spiel kommt, zeige ich dir hier: Zehnerübergang einfach erklärt.

Fazit: Ohne die gesicherte Zahlzerlegung fehlt damit also das Grundwerkzeug zum sicheren Rechnen.

Wie du die Zahlzerlegung mit deinem Kind üben kannst, zeige ich dir in meinem Artikel Zahlen zerlegen lernen.

Fehlendes Verständnis für Plus und Minus

In der 1. Klasse lernen Kinder das Prinzip von Plus und Minus kennen. Plus ist für die Kinder meistens intuitiver, da hier etwas hinzukommt. Mit dem Wegnehmen bei Minus tun sich Kinder hingegen meistens schwerer. Warum das so ist und wie du deinem Kind in diesem Fall unterstützen kannst, erkläre ich dir in diesem Artikel: Warum Minusrechnen für Kinder oft schwerer ist als Plus.

Es geht aber nicht nur um das Verständnis für die Bedeutung von Plus und Minus an sich, sondern auch um die Umsetzung von Plus und Minus in den Rechenstrategien. Solange dein Kind hier noch nicht so recht Fuß gefasst hat, wird es auf seine Finger zurückgreifen und die altbewährte Abzählstrategie nutzen, bei der es weiß, dass es sich darauf verlassen kann.

Soll ich meinem Kind das Rechnen mit Fingern abgewöhnen?

Egal, aus welchem Grund dein Kind mit den Fingern rechnet – die Antwort ist ganz klar: Nein!

Wenn dein Kind beim Fingerrechnen bleibt, dann sind es nicht die Finger, die das Problem darstellen, sondern unvollständige Grundlagen.

Stell dir vor, dein Kind fährt seit längerem Fahrrad mit Stützrädern und auf einmal montierst du die Stützräder ab. Was passiert? Wird dein Kind sofort ohne Schwanken und Zittern geradeaus fahren? Ich vermute, dass Kinder in so einer Situation in den meisten Fällen, in Schlangenlinien fahren, mit dem Gleichgewicht kämpfen und vielleicht auch zur Seite kippen. Und das ist auch natürlich, denn die Stützräder haben die Kinder beim Fahrradfahren unterstützt und ihnen einen Teil der Koordination abgenommen. Ohne Stützräder sind sie auf einmal vollkommen auf sich alleine gestellt und besitzen die Fähigkeit noch nicht, die vollständige Koordination alleine zu übernehmen.

Analog verhält es sich, wenn du deinem Kind das Fingerrechnen nimmst. Wenn Grundlagen fehlen, ist nichts da, was die Finger vollwertig ersetzen könnte. Die Stützräder fehlen schlichtweg. Und ich bin mir sicher, dass sich dein Kind eine andere Strategie analog zum Fingerrechnen überlegen wird. So könnte es mit dem Kopf nicken oder mit den Füßen wackeln – beides kam schon in meiner Praxis vor. Die Gefahr dabei ist, dass sich die neue Strategie im Zweifel überhaupt nicht mehr beobachten lässt – und das gilt es, auf jeden Fall zu vermeiden. Wie sonst willst du herausfinden, ob dein Kind wirklich mit dem Fingerrechnen aufgehört hat?

Was kannst du also stattdessen machen?

Schau dir die Grundlagen für das Rechnen an. Klappt die Zahlzerlegung? Sind Minus und Plus verstanden? Hat dein Kind den Zehnerübergang verstanden? Wenn dein Kind nicht vom Fingerrechnen abrücken möchte, wirst du bei den Grundlagen vermutlich fündig werden und Lücken finden.

Du wirst sehen – wenn die Lücken geschlossen sind, dann wird das Thema „Fingerrechnen“ von alleine auflösen, denn dein Kind hat sich dann so entwickelt, dass es die Stützräder von sich aus nicht mehr braucht.

▶️ Das Fingerrechnen stellt nur das Symptom dar, nicht die eigentliche Baustelle!

Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Grundsätzlich gilt: Abhängig von dem Thema, das hinter dem Fingerrechnen steht, sieht eine sinnvolle Unterstützung anders aus. Die Zahlzerlegung gehst du anders an als das Mengenverständnis.

Trotzdem gibt es einen roten Faden, der sich durch alle Themen durchzieht und den ich dir im Folgenden vorstellen möchte.

Finde die Ursache heraus

Beobachte dein Kind – vielleicht fallen dir Aufgaben auf, bei denen es besonders häufig auf seine Finger zurückgreift. Sind es z.B. Minusaufgaben oder Aufgaben mit höheren Zahlen? Vielleicht gibt es aber auch keine Tendenz und dein Kind nimmt seine Finger grundsätzlich zur Hilfe.

All diese Beobachtungen geben dir einen ersten Hinweis darauf, wo du bei deinem Kind ansetzen könntest.

Wie du systematisch herausfindest, welche Grundlagen bei deinem Kind noch nicht sicher sitzen, erkläre ich dir ausführlich in diesem Blogartikel: Mathe-Grundlagen in Klasse 1+2 festigen.

Erlaube das Rechnen mit den Fingern

Lass uns annehmen, dass dein Kind Schwierigkeiten mit der Zahlzerlegung hat. Dann erarbeitet euch die Zahlzerlegung Stück für Stück. Lass dein Kind parallel dazu aber auch immer wieder seine Finger einsetzen – wenn es das möchte. Wenn es z.B. um die Zerlegung der 7 in 4 und 3 geht, kannst du dein Kind die Zerlegung auch noch einmal anhand seiner Finger überprüfen lassen.

Das hat zwei unschlagbare Vorteile:

  • Du signalisierst deinem Kind, dass du nichts gegen das Fingerrechnen hast und es ihm nicht aktiv wegnehmen möchtest. Das gibt deinem Kind auf jeden Fall Sicherheit.
  • Dein Kind hat jetzt schon so viel mit seinen Fingern gearbeitet und kennt sie in uns auswendig. Mit der Zahlzerlegung begibt es sich nun aber auf neues, ihm unbekanntes Terrain. Mit den Fingern hat es trotzdem weiterhin etwas Bekanntest dabei und kann so auch leichter die Brücke zum neuen Thema schlagen.

Finger durch Material ersetzen

Vielleicht lässt sich dein Kind sofort oder auch nach einiger Zeit darauf ein, anstatt der Finger ein anderes Material auszuprobieren. Egal, zu welchem Zeitpunkt dieser Schritt passiert – es ist ein erster Schritt weg von den Fingern.

Geduld zahlt sich aus

Es wird Schritt für Schritt vorangehen – aber im Tempo deines Kindes. Hier ist es für dich ganz wichtig, Geduld zu haben. Wenn du zu früh den Schritt weg von Fingern und Material hin zu den Aufgaben machst, kann es sein, dass dein Kind wieder auf die Finger zurückgreift, obwohl es schon so tolle Fortschritte gemacht hat.

Dein Kind muss selbst erkennen, dass es jetzt ohne seine Finger und ohne Material klarkommt.

Der Trick mit der Vorstellungskraft

Der Schritt weg von Finger und Material hin zu den nackten Aufgaben ist ein echt großer Schritt. Manchmal ist der Schritt sogar erschreckend groß.

Daher mein Zauber-Tipp, hier mit einem Zwischenschritt zu arbeiten. Nimm nicht gleich das Material bzw. die Finger weg, sondern decke alles erst einmal nur zu. Material und Finger werden damit zu geheimen Zauberutensilien zum Lösen der Aufgabe. Dein Kind soll sich jetzt vorstellen, was es mit diesen Utensilien machen würde. und dabei die Handlung beschreiben.

Alles ist ja in unmittelbarer Nähe da, aber doch irgendwie schon einmal aus dem Blickfeld. Und der Vorteil ist, diese Vorstellungskraft kann dein Kind später auch mit in die Rechenaufgaben reinnehmen. Letztendlich ist es egal, ob da noch die Zauberutensilien griffbereit liegen oder nicht. Die Vorstellungskraft bleibt die gleiche.

Zugegeben, der Trick funktioniert mit Material besser als mit den Fingern. Wenn dein Kind die Finger versteckt, kann es immer noch durch Druck oder Bewegung die Fingerarbeit simulieren. Trotzdem lohnt es sich auch bei den Fingern, diesen Zwischenschritt einzuschieben.

Häufige Fragen zum Fingerrechnen

Pauschal kann ich diese Frage nicht beantworten. Zu Beginn der 1. Klasse ist es ganz natürlich, dass dein die Finger beim Rechnen zur Hilfe nimmt. Das kann auch später noch bei neune Themen immer mal wieder vorkommen.

Trotzdem sollte das Fingerrechnen im Laufe der 1. Klasse immer weniger werden und am Ende der Jahrgangsstufe nur noch vereinzelt erfolgen.

Nein, auf keinen Fall. Du kennst vielleicht noch aus deiner Kindheit. Etwas, was verboten war, bekam seinen ganz eigenen Reiz. Zudem wird dein Kind andere Wege finden, das Fingerrechnen zu ersetzen, wenn es auf dieses als Hilfsstrategie angewiesen ist (z.B. durch Fußwackeln oder Kopfnicken).

Wichtig ist, dass du herausfindest, warum dein Kind beim Fingerrechnen bleibt, was in der Regel auf fehlende Mathegrundlagen zurückzuführen ist. Arbeite mit deinem Kind an den Lücken und dann wird es von alleine das Fingerrechnen loslassen.

Nein, durch das Fingerrechnen alleine definiert sich keine Rechenschwäche.

Viele Kinder nutzen ihre Finger in der 1. Klasse und manchmal auch noch später als Hilfsmittel beim Rechnen, wenn die Themen noch neu und unbekannt sind. Es gibt ihnen Sicherheit und ist damit zunächst einmal ein ganz natürlicher Bestandteil des Lernprozesses.

Entscheidend ist aber, wie sich das Fingerrechnen bei deinem Kind über einen längeren Zeitraum entwickelt. Da dein Kind zunehmend mathematische Grundlagen aufbaut und Rechenstrategien kennenlernt, sollte das Fingerrechnen mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Wenn du aber merkst, dass dein Kind auch weiterhin jede Aufgabe neu abzählt, die Rechenstrategien nicht anwendet und am Fingerrechnen festhält, dann ist es ratsam, hier genauer hinzuschauen – und wenn du Sorge hast, dir im Zweifel fachlichen Rat einzuholen.

Aber wie gesagt, Fingerrechnen alleine ist noch kein Indiz für eine bestehende Rechenschwäche.

Fazit

Das Rechnen mit den Fingern in der Grundschule ist per se erst einmal kein Grund zur Sorge. Insbesondere zu Beginn der 1. Klasse, wenn auch die ersten Rechenarten Plus und Minus eingeführt werden, greifen Kinder schnell aufs Fingerrechnen zurück, welches ihnen Sicherheit vermittelt.

Erst wenn das Rechnen mit Fingern dauerhaft bleibt und dein Kind spätestens in der 2. Klasse nicht von alleine die Rechenstrategien anwendet, solltest du genauer hinschauen. Denn dann kann das Rechnen mit den Fingern eine Ersatzstrategie sein, da wichtige Grundlagen fürs Rechnen fehlen.

Die gute Nachricht: Sobald die Grundlagen vollständig aufgebaut sind, lassen die Kinder das Fingerrechnen in der Regel ganz von alleine sein. Du musst also deinem Kind nichts wegnehmen. Viel wichtiger ist, dass du ihm dabei hilfst, ein solides Fundament aufzubauen, so dass es sicher rechnen kann.

Wenn du dir unsicher bist, welche Grundlagen bei deinem Kind zum Ende der Klassenstufe aufgebaut sein sollen, dann gibt dir der KURS-Check Grundschule eine erste Orientierung.


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